Universität Oxford – Was ist das eigentlich?

Als ich mich letztes Jahr zum ersten Mal bei Oxford beworben habe, wurde mir klar, wie wenig die meisten wirklich darüber wissen und wie viele Vorurteile kursieren. Deshalb dachte ich, ich räume mal mit allen Vorurteilen auf, um euch ein realistisches Bild zu geben, was und wie Oxford eigentlich ist. Natürlich sind nicht alles Vorurteile, manches sind auch einfach Missverständnisse.

Vorurteil Nummer 1: „Oxford ist doch eine Privatuni, oder? Ist das nicht total teuer?“

Erstens: Nein, Oxford ist keine private Universität, sondern eine staatliche, auch wenn Oxford sowie Cambridge in mancher Hinsicht größere Autonomie genießen als andere britische Universitäten. Zweitens: Oxford ist ganz sicher nicht billig, das hat aber überhaupt nichts mit der Universität zu tun, sondern nur mit den festgelegten Studiengebühren für alle englischen (ich schreibe hier bewusst „englisch“, da es für Universitäten in Schottland, Nordirland und Wales andere Regelungen gibt) Universitäten. Man muss dementsprechend für ein Studium an der London Metropolitan oder der Wolverhampton Universität häufig das Gleiche zahlen wie für ein Studium in Oxford oder Cambridge. Die Studiengebühren betragen 9000 Pfund pro Jahr für UK und EU Studenten, werden aber dieses Jahr eventuell auf 9250 Pfund erhöht. Das sind circa 12.000 Euro – natürlich wirklich nicht billig, aber es gibt Möglichkeiten, sich es trotzdem zu finanzieren. Wegen des EU Austritts Großbritanniens weiß man noch nicht, ob das 2017 noch möglich sein wird, aber sonst kann man auch als EU Student einen Kredit von der britischen Regierung bekommen, den man erst ab einem bestimmten Einkommen später zurückzahlen muss. Für finanziell schwächere Familien (und dazu zählt Oxford schon Familien mit einem Einkommen unter 42k Pfund/Jahr, das sind 50k Euro) gibt es außerdem auch noch weitere Unterstützung in Form von Stipendien und Zuschüssen. Dazu könnt ihr einfach mal  hier nachsehen.

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Vorurteil Nummer 2: In Oxford laufen doch nur Privatschüler herum, kann ich da dazu passen?

Es ist (leider) wahr, dass überproportional viele Privatschüler in Oxford und Cambridge angenommen werden, das hat zum Teil leider auch damit zu tun, dass sich zu wenig Schüler von staatlichen Schulen bewerben. Allerdings werden trotzdem insgesamt mehr Schüler von staatlichen Schulen angenommen als Privatschüler und ich habe beim Interview/Bewerbungsgespräch letztes Jahr gemerkt, dass Privatschüler auch total nett sein können und bei Weitem nicht alle das Klischee vom versnobten und arroganten Privatschüler erfüllen. Außerdem verschiebt sich das Gefüge immer mehr zu Gunsten der Schüler staatlicher Schulen: Dieses Jahr wurden so viele angenommen wie noch nie zuvor!

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Oxford, Innenstadt

Vorurteil Nummer 3: „Was meinst du, du bewirbst dich beim Christ Church College? Ich dachte, du bewirbst dich in Oxford?“ 

Ja und nein. Oxford hat ein collegiate system, das bedeutet, dass die Universität aus 36 Colleges besteht. Jeder Student ist auch Mitglied eines Colleges, in diesem College wohnt man meist auch und ein großer Teil des sozialen Lebens findet dort statt, wie auch teilweise dort unterrichtet wird. Durch die Colleges hat man immer auch noch einen Bezug zu einer kleineren Gruppe und man geht weniger leicht in der Masse unter. Die Colleges sind alle ähnlich in der überragenden Ausbildung, die sie anbieten, unterscheiden sich aber in vielen anderen Punkten (hier eine Auflistung aller Colleges). Bei der Bewerbung muss man eines oder keines der Colleges als Präferenz angeben und dort findet dann auch das Bewerbungsgespräch statt. Kein College anzugeben bedeutet eine open application zu machen, dabei wird die Bewerbung dann zufällig einem College zugeordnet, meist einem, das eher weniger direkte Bewerbungen bekommt. Die Colleges haben teilweise unterschiedliche Reputationen und es gibt stereotypische Vorurteile über die meisten, die mal mehr, mal weniger zutreffen. Um sich ein Bild von den Colleges zu machen, sollte man sie am besten einfach selbst besuchen, mit Studenten dort sprechen und die Ressourcen im Internet nutzen (jedes College hat eine eigene Website, einen offiziellen prospectus und einen alternative prospectus, der von Studenten erstellt wird).

Dort findet ihr weitere Informationen von Studenten, nicht nur zu den Colleges, sondern auch beispielsweise zu den verschiedenen Kursen, die in Oxford angeboten werden.

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St Anne’s College, Oxford – eines der neueren Colleges, hat auch viele neuere Gebäude

Vorurteil Nummer 4: „Braucht man nicht total viele außerunterrichtliche Aktivitäten und tolle Hobbys, um angenommen zu werden?“

Oxford ist nicht Harvard. Anders als bei den Ivy League Schools in den Vereinigten Staaten geht es in Oxford wirklich nur um das akademische Talent und Potenzial der Bewerber. Es ist egal, ob ihr erfolgreich im sportlichen Bereich seid oder euch sozial engagiert. Oxford sucht nach Studenten, die akademische Höchstleistungen erbringen, nicht nach Verstärkung für irgendwelche Sportmannschaften oder Ähnliches.

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Vorurteil Nummer 5: „Als deutscher/internationaler Bewerber hat man dort doch sowieso keine Chance! Die nehmen doch viel lieber die eigenen Landsleute auf.“

Auch wenn ich es selbst letztes Jahr nicht nach Oxford geschafft habe, habe ich darüber auch Deutsche kennengelernt, die in Oxford studieren oder studieren werden. Es ist nicht unmöglich! Man braucht als Deutscher mindestens ein 1,5-Abitur (besser ist ein besserer Schnitt, die meisten erfolgreichen Bewerber haben mindestens 1,3). Generell ist Oxford sehr international ausgerichtet, dort studieren und arbeiten Menschen aus allen Ländern der Welt. Es gibt auch anders als in Deutschland keine spezielle Quote für ausländische Studenten: Die besten Bewerber werden angenommen, unabhängig von ihrer Herkunft.

Das war dann auch schon meine Aufklärung in puncto Vorurteilen und Missverständnissen über Oxford – ich hoffe, dass es eventuell dem einen oder anderen geholfen hat oder es interesssant zu lesen.

Falls sich irgendjemand bewerben möchte: Ich wünsche euch viel Glück!

 

 

 

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